„Einigkeit ein festes Band, hält zusammen Leut’ und Land“

Seit über 120 Jahren steht der Burschenverein Hohenschäftlarn für Zusammenhalt, gelebtes Brauchtum, Geselligkeit und die Verbundenheit mit unserer Heimat.

Was im Jahr 1905 mit der Gründung durch die damalige Blaskapelle begann, ist bis heute ein fester Bestandteil des Hohenschäftlarner Dorflebens. Unsere Geschichte ist geprägt von besonderen Festen, alten Traditionen, gemeinsamen Erlebnissen – und natürlich von unserem Maibaum.

Die Anfänge

Am 3. Dezember 1905 wurde der Burschenverein Hohenschäftlarn gegründet. Die Gründungsmitglieder trafen sich fortan regelmäßig beim Kapuzinerwirt und legten damit den Grundstein für eine Vereinsgeschichte, die bis heute andauert.

Zum Gründungsfest ließen die Burschen eigens ein Ansteckzeichen anfertigen. Eine metallene Schleife mit dem Bruderhandsymbol aus Messing und zwei grün-weißen Bändern erinnerte an die neue Gemeinschaft. Ein solches Festzeichen ist bis heute erhalten und kann im Neuchlanwesen besichtigt werden.

Schon im darauffolgenden Frühjahr wurde eine Tradition begründet, die unseren Verein bis heute prägt: Am 6. Mai 1906 stellte der Burschenverein erstmals im Rahmen der Maimusi einen Maibaum auf. Der damalige Baumplatz befand sich neben dem Wasserturm, dort, wo heute das Leichenhaus steht.

Auch die Finanzierung der Maimusi hatte bereits damals eine besondere Tradition: Der alte Maibaum wurde versteigert – und dabei deutlich höher bezahlt, als es allein der Wert des Holzes vermuten ließ.

Schwierige Zeiten

Der Erste Weltkrieg unterbrach das Vereinsleben. Erst 1917 finden sich wieder Berichte über den Burschenverein. Ein Auguststurm hatte damals den Maibaum umgerissen, und bis 1919 blieb Hohenschäftlarn baumlos.

Die Wiederaufstellung verlief allerdings nicht ganz so friedlich, wie man es sich heute vorstellen würde. Beim Kranzbinden der Jungfrauen tauchten plötzlich „weiße Offiziere“ mit Gewehren auf. Sie vermuteten hinter der fröhlichen Dorftradition eine Verschwörung.

Die Vereinsfahne

Ein besonderer Meilenstein folgte am 26. Mai 1926: Der Burschenverein weihte seine Vereinsfahne. Fahnenbraut war Maria Schmid, Fahnenmutter Agatha Schlander und als Patenverein stand Groß- und Kleindingharting zur Seite.

Unsere Fahne begleitet den Verein bis heute bei besonderen Anlässen und Kirchenzügen. Im Jahr 2012 wurde sie aufwendig restauriert und erstrahlt seitdem wieder in neuem Glanz.

Der Maibaum bekommt seinen heutigen Platz

Im Jahr 1934 wurde der Maibaum erstmals an dem Platz aufgestellt, an dem er noch heute steht und alle 5 Jahre erneut aufgestellt wird – am Kirchberg, Ecke Schorner Straße.

Damals konnte der Baum noch mit Scherstangen von Hand aufgestellt werden. Die Bebauung rund um den Aufstellplatz war deutlich geringer als heute.

Doch auch diese Zeit brachte für den Verein einen schweren Einschnitt: Nach der Maimusi 1934 wurde der Burschenverein durch das NS-Regime zwangsweise aufgelöst. Erst 1946 konnte der Verein wieder neu gegründet werden.

Neubeginn und neues Vereinsleben

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine neue Zeit für den Burschenverein. Auch das Laientheater wurde wieder gepflegt. Besonders in Erinnerung blieb ein Stück über das Leben des legendären „Georg Jennerwein“.

In den Hauptrollen standen Ludwig Lang, Josef Kreitmayr und Josef Kollmaír auf der Bühne und erzählten den Werdegang des „Girgl von Schliers“ vom Wilderer zum Volkshelden.

Seit 1950 richtet der Burschenverein wieder regelmäßig die Maimusi mit dem dazugehörigen Maibaumaufstellen aus. Damit konnte das traditionelle Vereinsleben über viele Jahrzehnte hinweg ungestört wachsen und sich weiterentwickeln.

75 Jahre Burschenverein

1980 konnte der Burschenverein sein 75-jähriges Jubiläum gebührend feiern. Mit Festzelt und einem umfangreichen Programm wurde das Jubiläum zu einem großen Fest für den ganzen Ort.

Auch das Maibaumaufstellen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Aufgrund der enger gewordenen Bebauung und der großen Zuschauermengen wäre ein Aufstellen von Hand heute mit einem zu hohen Risiko verbunden. Deshalb wird unser Maibaum inzwischen mit einem Kran aufgestellt und anschließend sicher in den einbetonierten Schienen befestigt.

Kirche, Brauchtum und Gemeinschaft

Als katholischer Burschenverein gehört für uns natürlich auch das kirchliche Leben fest zur Vereinsgeschichte.

Jedes Jahr treffen sich unsere Madln zum Binden der Girlanden für Fronleichnam. Damit werden die Marienstatuen geschmückt und beim Kirchenzug getragen. Auch unsere Fahnenabordnung ist regelmäßig bei Kirchenzügen, Fahnenweihen und anderen kirchlichen Festen vertreten.

Weinfest und Kandl-Gaudi

Seit 1980 veranstaltet der Burschenverein das Weinfest im Glas’n Stadl. Über die Jahre hat es sich zu einem festen Bestandteil unseres Vereinslebens entwickelt und mittlerweile seinen Standort zum Drotwiesenweg verlagert.

Bei guter Stimmung werden verschiedene Pfälzer Weine ausgeschenkt und Brotzeiten serviert. Und gegen Ende des Abends darf natürlich auch unsere Bar nicht fehlen.

2008 kam mit der Kandl-Gaudi ein weiteres Highlight hinzu. Das Besondere: Die Getränke werden aus den namensgebenden Ein-Liter-Gießkandln serviert. Das große Event entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders und wird traditionell Ende August gefeiert.

Die Sautrogregatta

Eine weitere legendäre Veranstaltung des Burschenvereins war die Sautrogregatta am Mockweiher in Kloster Schäftlarn.

Nachdem die Regatta bereits früher von einer jungen Mannschaft veranstaltet worden war und bis zu 6.000 Zuschauer angelockt hatte, rief der Burschenverein sie im Jahr 2001 wieder ins Leben.

Bis 2011 wurde jedes Jahr um die Wette gepaddelt. Doch nachdem es im näheren Umkreis immer mehr Sautrogregatten gab und die Besucherzahlen zurückgingen, wurde die Veranstaltung schließlich eingestellt.

Auch wenn die Regatta heute Geschichte ist, bleiben viele lustige und spektakuläre Erinnerungen an diese Zeit.

100 Jahre Burschenverein

Das Jahr 2005 stand ganz im Zeichen unseres 100-jährigen Bestehens.

Im Mittelpunkt standen die Maimusi und die anschließenden Festtage zum 100. Geburtstag des Vereins. Über Monate hinweg wurde geplant, organisiert, gebaut und vorbereitet. Dabei packten nicht nur die Vereinsmitglieder mit an – das ganze Dorf kam zusammen um das Jubiläum zu dem zu machen was es war: ein riesen Erfolg.

So wurde das Jubiläum zu einem großen Fest für den ganzen Ort und zu einem würdigen Höhepunkt unserer Vereinsgeschichte.

Unser Lederhosensteg

2017 entstand etwas ganz Besonderes: Unser eigener Lederhosensteg.

Das Motiv zeigt die Hohenschäftlarner Kirche mit Maibaum und dem Selcher-Hof im Vordergrund. Ein kleines Stück Hohenschäftlarn, das unsere Verbundenheit mit unserem Heimatort widerspiegelt.

113 Jahre Burschenverein und 10 Jahre Kandl-Gaudi

2018 gab es gleich doppelten Grund zum Feiern: Die Kandl-Gaudi feierte ihr 10-jähriges Bestehen und der Burschenverein konnte auf 113 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken.

Auf der Wiese hinter dem Sportheim, in Verlängerung des Wangener Wegs, wurde im August ein Festzelt für rund 2.500 Personen aufgebaut. Bei sommerlichen Temperaturen und rund 30 Grad sorgte unter anderem das Weißbierkarussell für die nötige Abkühlung.

Corona und ein besonderer Maibaum

2020 sollte eigentlich alles wie gewohnt seinen Lauf nehmen. Doch dann kam Corona.

Auch der Burschenverein blieb von den Auswirkungen der Pandemie nicht verschont. Am 17. März 2020 musste die Bewachung unseres Maibaums zunächst auf unbestimmte Zeit eingestellt werden.

Erst im Juni 2021 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden und am 1. August 2021 war es schließlich soweit: Der Maibaum wurde aufgestellt.

Damit konnte trotz aller Einschränkungen ein Stück Normalität und vor allem ein Stück Hohenschäftlarn zurückgebracht werden.

Maimusi 2025

2025 war wieder ein großes Jahr für unseren Burschenverein.

Nach fünf Jahren bekam Hohenschäftlarn einen neuen Maibaum – und damit begann für uns eine intensive, arbeitsreiche, aber auch aufregende Zeit. Schon Wochen vor dem eigentlichen Fest dreht sich bei uns alles um den neuen Baum.

In der Wachhüttn wurde gemeinsam bewacht, gearbeitet, gelacht und natürlich auch ordentlich gefeiert. Die Abende in der Wachhüttn wurden zu einem Treffpunkt für Jung und Alt und machten die Wochen vor dem 1. Mai zu einer ganz besonderen Zeit für unseren Verein und das ganze Dorf.

Der neue Maibaum war rund 33 Meter lang und wurde am 27. April 2025 aufgestellt.

Dann war es endlich soweit: Vom 30. April bis zum 3. Mai 2025 wurde in Hohenschäftlarn groß gefeiert.

Der 1. Mai bildete dabei den Höhepunkt unserer Maimusi. Nach dem Festgottesdienst folgten der Festumzug mit der Blaskapelle Hohenschäftlarn und der traditionelle Tanz um den Maibaum. Besonders stimmungsvoll war die große Bauernhochzeit mit insgesamt 33 Paaren, die den Maitanz zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

Doch damit war das Festwochenende noch lange nicht vorbei: Am 2. Mai sorgte Kabarettistin Luise Kinseher für beste Unterhaltung, bevor am 3. Mai bei der Rocknacht noch einmal kräftig gefeiert wurde.

Die Maimusi ist immer weit mehr als nur das Aufstellen eines neuen Maibaums. Sie ist ein Fest der Gemeinschaft – für unsere Burschen und Madln, für unsere Familien, Freunde, Nachbarvereine und für ganz Hohenschäftlarn.

Heute und morgen

Mehr als 120 Jahre Vereinsgeschichte haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Traditionen sind geblieben, andere haben sich verändert. Manche Veranstaltungen gehören mittlerweile der Vergangenheit an, während neue Ideen entstanden sind.

Geblieben ist aber das, was unseren Verein seit 1905 ausmacht:

Zusammenhalt, Freundschaft, Brauchtum und die Freude daran, gemeinsam etwas für unsere Heimat zu schaffen.

Ob in der Wachhüttn beim Maibaum, bei der Maimusi, beim Weinfest, bei der Kandl-Gaudi, bei kirchlichen Festen oder einfach bei einem gemütlichen Vereinsabend – der Burschenverein Hohenschäftlarn lebt davon, dass viele Menschen mit anpacken und gemeinsam feiern.

Und so soll es auch in Zukunft bleiben:

„Einigkeit ein festes Band, hält zusammen Leut’ und Land.“